Donnerstag, 3. April 2014, Ice Arena Letnany, Prag

Nach knapp 10 stündiger Carfahrt ist das Team am Mittwoch Abend in Prag angekommen und konnte die Hotelzimmer beziehen. Da war der etwas mehr als einstündige Flug mit Swiss von Zürich nach Prag für die mitgereisten Fans und Familienangehörige wesentlich entspannter.

Heute Mittwoch stand trotz der Reisestrapazen schon um 09:00 das erste Spiel des Memorial Cups gegen die Lokalmatadoren von Sparta Prag auf dem Programm. Die Austragungsstätte liegt rund 20 Minuten ausserhalb des Stadtzentrums von Prag. Wir waren dann aber schon etwas erstaunt, als sowohl das Taxi der angereisten Klotener Fans als auch der Car des Klotener Teams 20 Minuten vor Spielbeginn immer noch das Station suchten. Eine optimal Vorbereitung sieht so wohl nicht wirklich aus.

Das Spiel begann dann doch überraschenderweise pünktlich um 09:00 und die Tschechen gaben gleich von Beginn weg den Tarif und das Tempo vor. In den ersten 10 Minuten konnten die Jungflieger noch einigermassen gegen die Sturmläufe der Spartaner stand halten und lagen nur dank mehreren big saves von Andrin noch nicht im Rückstand. Eigene Vorstösse oder gar gefährliche Aktionen vor dem gegnerischen Tor fanden nicht statt. Mit einem schmeichelhaften 0:1 Rückstand und der Gewissheit, dass hier ein Gastgeber voll konzentriert und motiviert ans Werk geht, machten sich die Klotener aus der eisig kalten Spielstätte auf zum ersten Pausentee.

Wer gehofft hatte, dass die Flughafenstätte im 2. Drittel den Handschuh der Prager aufnehmen sah sich leider enttäuscht. In keiner Phase des Spieles fanden die Flieger irgend ein Rezept gegen die furios aufspielenden Tschechen. Die hatten sich wirklich was Grosses vorgenommen, liefen sich die Lunge aus dem Leib, betrieben ein unglaublich hartes – aber nie unfaires – forechecking und liessen völlig humorlos keinen Zweifel daran, wer hier der Chef im Ring ist. Allein unserem Torhüter war es zu verdanken, dass die Flieger zum Ende des 2. Drittel “lediglich” ein 0:4 Defizit in der Zwischenwertung zu verbuchen hatten.

Bringt das letzte Drittel wenigsten noch ein Tor für das Klotener Team? Leider nein, die Angriffswalze der Spartaner rollt unbeirrt weiter und kennt kein erbarmen. Mit 0:7 gehen die Jungflieger vom Eis und sind zwei wichtige Erfahrungen reicher: Der Wille kann Berge versetzen und ohne Fleiss keinen Preis. Respekt für die Lehrstunde des Gastgebers!

Im Nachmittagsspiel kommt es zu einem Zürcher Derby in Tschechien: Jungflieger gegen Junglöwen, da knistert es immer und man schenkt sich nichts. Die Teams kennen sich natürlich in- und auswendig aus vielen Begegnungen der vergangenen Meisterschaft. Ein tolles Spiel entwickelt sich mit hohem Tempo und sehr engagiert geführt. Beide Teams kommen zu grossen Chancen, können diese aber mal ums mal nicht verwerten. Und so steht es nach dem ersten Drittel immer noch torlos in einem für die Zuschauer sehr attraktiven und abwechslungsreichen Aufeinandertreffen der alten Rivalen um die Zürcher Krone im Eishockey. Das 2. Drittel wird noch besser als das erste und mit dem ersten Tor im Turnier gehen die Klotener nicht unverdient mit 1:0 in Führung. Doch nur wenige Spielzüge später gelingt den Stadtzürcher gleich wieder der Ausgleich. Hin und her wogt das Spiel, es ist eine Freude den beiden Mannschaften zuzusehen.

Kurz nach Beginn des letzten Drittels gehen dann die Lions mit 1:2 in Führung und nun dreht die Partie leider unvermittelt ins Negative. Die Spielszenen werden ruppiger, die Fäuste fliegen und die Emotionen geraten ausser Kontrolle. Negativer Höhepunkt ist ein Faustkampf in dessen Verlauf der beteiligte ZSC Spieler seinem am Boden liegenden Klotener Kontrahenten – auch kein Kind von Traurigkeit – mit dem Schlittschuh gegen den Kopf tritt. Unfassbar! Die 5 Minuten plus Spieldauer Disziplinarstraffe gegen den Stadtzürcher sind ebenso berechtig wie die 2 Minuten für Crosscheck gegen den Klotener Spieler. Dass dann aber auch noch auf der Tribune die Nerven eines Vaters blank liegen und auch er das Stadion verlassen muss setzt dem indiskutablen Treiben der beiden Schweizer Vertreter im Ausland nur noch die unrühmliche Krone auf. So etwas will niemand sehen!

Ach richtig, Eishockey wurde nach minutenlangem Unterbruch dann auch wieder gespielt. Die 5 Minuten Überzahl konnten die Klotener nicht zum Ausgleich nutzen. Sie mussten gar ein unglückliches Eigentore zum 1.3 Rückstand hinnehmen. Kurz vor Ende der Partie gelang den Fliegern zwar noch der Anschlusstreffer, doch die 2;3 Niederlage konnten sie nicht mehr abwenden.

Fazit: Zwei Drittel lang ein begeisterndes Novizen Elite Eishockey Spiel von zwei tollen Mannschaften gesehen und ein letztes Drittel zum Vergessen. Es bleibt zu hoffen, dass die Lehren bei beiden Mannschaften sowie auf der Tribune kritisch reflektiert und gezogen werden.

Mit sportlichen Grüssen aus dem frühlingshaften Prag

Jo